Titel: Wirth's Luftschiff.
Fundstelle: Band 247, Jahrgang 1883, S. 111
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Wirth's Luftschiff. Mit Abbildungen auf Tafel 10. Wirth's Luftschiff. Die Herstellung lenkbarer Luftfahrzeuge haben die meisten Erfinder durch Verbindung von Luftballons mit Steuer- und Ruderapparaten angestrebt. Auch die vorliegende Construction von Wirth und Comp. in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Kl. 77 Nr. 15085 vom 22. Februar 1881) reiht sich diesen Bestrebungen an; denn sie sucht die Lenkbarkeit eines Ballon sowohl in verticaler, als auch in horizontaler Ebene mittels eigenthümlicher Schaufelräder zu bewerkstelligen, welche durch den Luftschiffer in Drehung versetzt werden. Diese Schaufelräder bestehen, wie Fig. 12 bis 14 Taf. 10 zeigen, aus zwei möglichst leichten Radsternen F, F1, zwischen deren Speichen Stoffsegel L oder zusammenklappbare, mit Stoff überspannte Rahmen oder auch massive Klappen angebracht sind. Diese Segel oder Klappen sind nur an der einen Hälfte des Schaufelrades mehr oder weniger entfaltet, an der anderen Radhälfte dagegen zusammengelegt, weil die beiden Radsterne F, F1 auf einer beiderseits abgebogenen Achse B sitzen und deshalb gegen einander geneigt sind. Doch sitzen die Radsterne nicht auf der Achse B selbst, sondern auf hohlen Wellen G, G1 befestigt, welche auf die Achse B lose aufgeschoben, paarweise durch Kegelräder H, H1 mit einander gekuppelt und an ihrem Ende mit Schnurscheiben I versehen sind, welche mit den Schnurscheiben auf den Achsen der Handkurbeln K in Verbindung stehen; letztere werden von dem Luftschiffer in Drehung versetzt, welcher in dem Korb C sitzt, in dessen an dem Ballon mittels Seilen aufgehängtem Traggestell A die Achsen der Schaufelräder und der Kurbeln gelagert sind. Während der Drehung der Schaufelräder wird die Achse B festgehalten. In ruhiger Luft bewegt sich dann das Fahrzeug in einer Richtung, welche senkrecht zu der durch die Achse B gelegten Ebene liegt. Aendert man die Lage der Achse B, so wechselt man auch die Bewegungsrichtung des Fahrzeuges in verticaler Ebene. Die Lage der Achse B regelt nun der Luftschiffer mit dem Fuſse, indem er mit diesem ein Stiftenrad E festhält oder dreht, welches mittels angegossener Kettenscheibe mit der Kettenscheibe D auf der Achse B correspondirt. Das Festhalten des Stiftenrades wird durch ein mit diesem verbundenes Sperrrad und Klinke erleichtert. Vor dem Drehen des Stiftenrades mittels des einen Fuſses hebt man die Sperrklinke mit dem anderen Fuſse aus. Veränderungen der Bewegungsrichtung in horizontaler Ebene werden durch rascheres Drehen des einen oder anderen Rades herbeigeführt. Werden die Schaufelräder mit unbiegsamen, zusammenlegbaren Flügeln versehen, so müssen zwei solche zusammen gehörende Flügel durch Bänder mit einander verbunden werden, welche angespannt sind und die Flügel in nahezu gemeinschaftlicher Ebene erhalten, wenn die Radsternarme einer Schaufel am weitesten von einander abstehen. Diese Bänder m, n werden am zweckmäſsigsten in der aus Fig. 15 ersichtlichen Weise in Ausschnitten der Flügel L angebracht, weil sich die Flügel dann nach beiden Richtungen zusammenlegen können, weshalb auch die Schaufelräder sich vor- oder rückwärts drehen lassen. H–s.

Tafeln

Tafel Tafel 10
Tafel 10