Titel: Ueber Cavallier's, Frère et Comp., Knetemaschine.
Fundstelle: Band 37, Jahrgang 1830, Nr. XLVII., S. 166
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XLVII. Ueber Cavallier's, Frère et Comp., Knetemaschine.135) Aus dem Register of Arts, Junius 1830, S. 17. und aus den Annales de l'Industrie, 1830 N. III. S. 177. aus dem Register und aus den Annales N. IV. Auch uͤber die Knetemaschine der Gebruͤder Gui. Aus dem Bulletin d. Scienc. technol. Mars. S. 275. Mit Abbildung auf Tab. III. Cavallier's Knetemaschine. Das Register of Arts erwaͤhnt a. a. O. eines franzoͤsischen Patentes, welches Hr. Cavallier und Comp. sich auf seine Maschine geben ließ; eines englischen, das Hr. Poole, als Agent desselben, auf diese Maschine nahm,136) und noch einer besonderen Broschuͤre uͤber diese Maschine, die die Patent-Traͤger austheilen, die aber sehr unverstaͤndlich abgefaßt seyn soll. Auch weicht die dieser Broschuͤre beigegebene Abbildung von dem Modelle ab, welches der Patent-Traͤger im National-Repository aufgestellt hat. Das Register hielt es daher fuͤr geeignet, eine Zeichnung nach dem Modelle zu liefern, welches im National-Repository aufgestellt ist, und diese Zeichnung mittelst folgender Beschreibung zu erklaͤren, die wir hier woͤrtlich liefern. aaaa, Fig. 5., ist ein starker hoͤlzerner beinahe vierekiger Trog, der sich nach unten zu etwas verschmaͤlert und einen gekruͤmmten oder halbwalzenfoͤrmigen Boden hat. Der untere Theil dieses Troges ist mit Eisenblech ausgefuͤttert, wie man an bb sieht, und der Laͤnge nach durch eine senkrechte Scheidewand, o, getheilt. Der untere Theil dieser Scheidewand, d, laͤuft in einen spizigen Winkel zu, und ist mit Eisenblech beschlagen, damit er einen Krazer auf der Oberflaͤche des hohlen Cylinders aus Gußeisen, e, bildet, der sich unter demselben bewegt. Die Achse des Cylinders, e, welche an einer Seite durch den Trog laͤuft, fuͤhrt ein Zahnrad, f, welches von einem Triebstoke, g, in Bewegung gesezt wird, der von einer Kurbel, h, getrieben wird. Bei ii sind die sogenannten „Saͤke oder Size (der Erfinder), die sich nach abwaͤrts erstreken, so daß sie den senkrechten Ausschnitt oder Falz, der zur Aufnahme derselben an jedem Ende des Troges angebracht ist, schließen.“ „Diese Stuͤke“ sagen sie „fuͤhren zwei Baken an ihrer inneren Seite, durch welche der Krazer seitwaͤrts gehalten wird.“ „Die Lager der Zahnraͤder, f und g, befinden sich in einer aufrechten Stange an jedem Ende des Troges, und sind mittelst derselben mit der senkrechten Scheidewand, cd, verbunden, so daß, wenn es noͤthig wird, den Raum zwischen der Walze und dem gekruͤmmten Boden des Troges, wo der Teig gebildet wird, zu vergroͤßern, die Griffe kk zweier Hebel der zweiten Classe gehoben werden. Da diese Hebel in der Nahe der Stuͤzpunkte, wovon man einen bei I sieht, mit den oben erwaͤhnten senkrechten Stangen verbunden sind, so heben sie zugleich die Walze, den Krazer und das Raͤderwerk in jede Hoͤhe, welche durch die Ausschnitte, mm, moͤglich wird, durch welche die Hebel laufen, und in welchen sie mittelst der Bolzenstifte, n, die durch die Loͤcher, welche durch die Hebel und durch die Waͤnde der Ausschnitte aus Gußeisen laufen, befestigt werden. Um den Krazer, cd, nach der Walze, e, zu stellen, werden Schrauben gewoͤhnlicher Art hierzu verwendet: diese Schrauben haben kugelfoͤrmige Koͤpfe, durch welche ein Loch, o, laͤuft, in welches man einen Schluͤssel stekt, so daß, wenn man den Kopf der Schraube dadurch dreht, der Krazer in jede beliebige Entfernung parallel mit dem Cylinder gestellt werden kann. Dieser ganze Apparat steht auf starken hoͤlzernen Fuͤßen mit Querbalken, wie die Figur zeigt.“ Das Register theilt nun, theils im Auszuge, theils in Extenso, das Verfahren ans oben erwaͤhnter Broschuͤre mit, nach welchem mit dieser Maschine der Teig zum Brote bereitet wird. „Es ist einerlei, ob man nach franzoͤsischer Art Sauerteig oder nach englischer Hefen zu dem Teige nimmt, welcher mit dieser Maschine geknetet werden soll. Die erforderliche Menge Mehles, Hefen und Wassers, und was die Baker sonst zum Brote brauchen, wird in dem Troge gehoͤrig mittelst der Kruͤke, p, unter einander gemengt. Das Kneten faͤngt damit an, daß man obiges Gemenge durch das Drehen der Kurbel unter dem Cylinder durchtreibt. Nachdem aller Teig aus einem Fache in das andere hinuͤber getrieben wurde, wird die Kurbel in entgegengesezter Richtung gedreht, wodurch der Teig wieder in das vorige Fach zuruͤkgetrieben wird. Auf diese Weise wird der Teig durch Wechslung der Richtung, in welcher der Cylinder gedreht wird, aus einem Fache oder aus einer Abtheilung in die andere getrieben werden, bis der ganze Teig gehoͤrig durchgeknetet ist.“ 137) „Ehe man den Cylinder dreht, muß er mittelst der Hebel, kk, in seine hoͤchste Lage gehoben, und, so wie die Arbeit nach und nach fortschreitet, von einem Loche zu dem anderen herabgelassen, und mittelst des Stiftes, n, darin befestigt werden, bis man endlich zum untersten Loche mit demselben herabkommt, wo der Zwischenraum zwischen dem Cylinder und dem ausgehoͤhlten Troge des Bodens sehr eng ist, also der Teig schon ziemlich nachgiebig seyn muß, um durch denselben ohne großen Gewaltaufwand durchgetrieben werden zu koͤnnen.“ „Wenn“ heißt es in der Broschuͤre „der Teig bei den ersten Umdrehungen der Walze zu weich ist, so sezt man so viel Mehl zu, daß man in der Folge keines mehr zuzusezen braucht. Man darf sich jedoch nicht zu viel auf das erste Ansehen verlassen, indem der Teig spaͤter fester wird, als man Anfangs haͤtte erwarten sollen.“ 138) „Die Menge Mehles muß mit aller moͤglichen Genauigkeit berechnet werden: ehe zu wenig als zu viel ist indessen weit rathsamer, da man leichter Mehl als Wasser nachschuͤtten kann.“ „Das Mehl muß mittelst kleiner Brettchen nachgestreut werden, so daß es zu beiden Seiten der Maschine eine ebene Flaͤche bildet. Die Patent-Traͤger liefern diese Brettchen, so wie den Handkrazer, q, und ein biegsames Messer, r.“ „Das Nezen“ heißt es in der Broschuͤre „geschieht mittelst eines Pinsels, mit welchem der Teig mit Wasser uͤbersprizt wird; waͤhrend des Sprizens muß die Walze zugleich gedreht werden, damit man immer eine neue Oberflaͤche des Teiges erhaͤlt, und dieser uͤberall gleich naß wird. Um den Teig aus dem Troge zu nehmen, darf derselbe nur von dem Cylinder abgenommen werden, indem er auf demselben in großen Stuͤken gegen den Krazer kommt. Jedes Stuͤk kommt hierauf in einen gemeinschaftlichen Korb, aus welchem es genommen wird, um Leibe daraus zu bilden. Dieser Korb ist aber nur dort noͤthig, wo die Maschine nicht in dem Bakhause selbst aufgestellt ist, und das Brot nicht alsogleich abgewogen werden kann. Wo lezteres geschehen kann, laͤßt man den Teig in jenem Fache, in welches ihn die lezte Umdrehung des Cylinders gebracht hat, und nimmt ihn aus demselben zum Abwaͤgen nach und nach heraus: eine Arbeit, die auf dem Dekel des Troges selbst geschehen kann“ (welchen, sagt Hr. Hebert sehr aufrichtig, wir in der Zeichnung aus Versehen weggelassen haben). „Es laͤßt sich leicht begreifen, daß, wenn nur fuͤr Einen Einschuß in den Ofen Teig geknetet werden soll, oder daß, wenn fuͤr jeden Einschuß, wie es in einigen Laͤndern Sitte ist, ein eigener Sauerteig angeruͤhrt wird, es nicht noͤthig ist, den Sauerteig aufzubewahren, der nicht verbraucht wurde.139) Man muß ferner bemerken, daß der Baker, der nur einiger Maßen sein Mehl und das Brot kennt, das er aus demselben zu baten wuͤnscht, durch das bloße Ansehen des Teiges leicht die Zahl der Umdrehungen bestimmen kann, die zur Erhaltung eines guͤnstigen Resultates von Seite der Walze nothwendig sind.140) Es verdient kaum bemerkt zu werden, daß gegen das Ende eines jeden Knetens, d.h., wenn die eine Seite des Troges auf dem Punkte ist, leer zu werden, es immer noͤthig ist, den an der Scheidewand haͤngenden Teig mit dem Handkrazer ein Mal abzukrazen, und ihn zugleich mit jenem, was an dem Boden unter der Walze waͤhrend der Umdrehungen haͤngen bleibt, wieder unter die Walze zu werfen, waͤhrend diese sich dreht.“ 141) „Das Wasser muß etwas waͤrmer als gewoͤhnlich angewendet werden, damit die Temperatur der Walze erhoͤht wird, indem diese ein guter Waͤrmeleiter ist, und sich folglich leicht in Gleichgewicht mit der umgehenden Luft stellt. Des Winters ist diese Vorsicht unerlaͤßlich. Wenn, unerachtet des Rathes, lieber eine zu kleine Menge Mehles, als eine zu große nach dem Anmachen des Teiges zuzusezen,142) der Teig dennoch zu fest werden sollte, so muß Wasser mit einer Buͤrste zugesprizt werden, wie bereits bemerkt wurde. Was das Uebrige betrifft, naͤmlich den Grad der Gaͤhrung, die Zeit, welche der Teig zu dem sogenannten Aufgehen braucht etc., so kann alles dieses auf irgend eine Weise, welche Ortsverhaͤltniß oder Gutduͤnken nothwendig macht, eingeleitet werden.“ 143) „Man darf jedoch nicht vergessen, daß dieser Petrisseur d.h. diese Knetemaschine, das Mehl besser und gleichfoͤrmiger mengt, und jedes Theilchen desselben in unmittelbare Beruͤhrung mit dem Wasser bringt. Das Mehl saugt also nicht bloß alles Wasser ein, welches dasselbe im Stande ist zu verschlingen, sondern nimmt selbst noch mehr auf, als man mit der Hand demselben nicht beizubringen vermag.144) Hiernach kann der Baker leicht bestimmen, wie viel er zusezen muß und darf.“ „Mit Einem Worte, das Kneten des Teiges mit der gegenwaͤrtigen Maschine ist von dem gewoͤhnlichen Kneten in Nichts verschieden, als daß es ein vollkommneres Kneten ist.“ 145) „Denn, Statt daß hier das Mehl mit dem unsicheren und ungleich wirkenden Arme des Mannes gemengt wird, wirkt die gleichfoͤrmig druͤkende Walze ununterbrochen auf dasselbe.“ Sehr naiv ist das Ende. „Es ist nun der Urtheilskraft eines jeden Bakers uͤberlassen, ob er von den vielen Vortheilen, die sich mittelst einer so einfachen und zugleich sinnreichen (?146) Maschine erhalten lassen, Gebrauch machen will. Denn es muß jedem einleuchten, daß dieser Mechanismus alles gewahrt, was zu einem „(schlechten Nudel-)“ Teige gehoͤrt: Erneuerung der Oberflaͤchen, Einwirkung der Luft, gleichfoͤrmige Vertheilung aller Theilchen etc. etc.“ Nicht so naiv, sondern Marktschreiereien aͤhnlich ist der Anfang, den wir hier (wie man sagt) zu guter Lezt geben wollen: „Da jedem menschlichen Wesen, mittelbar oder unmittelbar, an der Erzeugung eines guten, wohlfeilen und vorzuͤglich reinlichen Brotes gelegen seyn muß, so bedarf es keiner Entschuldigung, wenn man dem englischen Publikum Mittel an die Hand gibt, zu einem so seltenen und wuͤnschenswerthen Gegenstande zu gelangen. Die wahrhaft barbarische und ekelhafte Weise, Brot mit nakten Haͤnden und Armen,147) zuweilen sogar mit den Fuͤßen,148) zu kneten, war nur zu lang schon unter den gesitteten Voͤlkern noch immer Sitte. Den Franzosen verdankt die Menschheit die Erfindung eines Desideratums in der Hauswirthschaft, naͤmlich die Knetemaschine (le Petrisseur) den mechanischen Brotbereiter.149) Die Anwendung dieser sinnreichen und schaͤzbaren Verbesserung der Baͤkerkunst, welche der Haͤnde der Menschen entbehren lehrt, wird ohne Zweifel in England bald allgemein werden, wo alles Nuͤzliche, auch wenn es fremd ist, alsogleich und gehoͤrig gewuͤrdigt wird.“ 150) In den Annales de l'Industrie befindet sich a. a. O. ein Bericht einer Commission der Société Centrale d'Agriculture du Depart. de la Seine inférieure uͤber die Knetemaschine der HHrn. Cavallier, Frère et Comp. Die Commission bestand aus Hrn. Girardin, als Bericht-Erstatter, aus dem Praͤsidenten der Société Hrn. Dubuc, aus Hrn. Le Pasquier, aus dem M. Dr. Pouchet, und sogar aus einem Abbe, F. F. Gossier, Chanoine honoraire. Es ist dem Berichte eine Zeichnung beigefuͤgt, es ist aber keine ausfuͤhrliche Beschreibung dieses Pétrisseur mécanique gegeben, indessen kommen jedoch einige Notizen in demselben vor, welche theils beachtet, theils beleuchtet werden muͤssen. Der Cylinder dieser Maschine, mit welcher die unten folgenden Versuche angestellt wurden, war 1,66 Meter151) lang, und hielt 0,23 Meter im Durchmesser. Andere Dimensionen der Theile der Maschine sind nicht angegeben. Es heißt hier: „der Teig wird nicht bloß gewalgt (laminé), sondern bestaͤndig um sich aufgewunden (enroulé), und daß zwar in entgegengesezter Richtung, so oft die Walze in entgegengesezter Richtung gedreht wird. Diese Bemerkung ist wichtig, denn mittelst dieses bestaͤndigen Aufrollens nimmt der Teig die Luft auf.“ 152) Die Commission beschreibt die Weise, nach welcher unter ihren Augen mit dieser Maschine gearbeitet wurde, wie folgt: „Nachdem der Cylinder auf seinen niedrigsten Punkt herabgelassen wurde, vertheilt man den gegohrenen Sauerteig (levain à tout point) in beide Faͤcher der Maschine, und goß lauwarmes Wasser auf denselben. Ein Arbeiter mengte den Sauerteig mit dem Wasser mittelst einer eisernen Kruͤke, und nachdem diese Mischung gehoͤrig geschehen war, trug man mittelst Brettchen die gehoͤrige Menge Mehles so in den Trog ein, daß dieses zu beiden Seiten gleich hoch auf dem Sauerteige stand, und vollkommen eben war. Der Cylinder wurde auf seinen hoͤchsten Punkt gehoben, und ein anderer Arbeiter fing an die Kurbel zu treiben, wodurch die ganze Masse unter dem Cylinder durchging, und sich in einer der beiden Abtheilungen des Troges sammelte. Die Kurbel wurde hierauf in entgegengesezter Richtung gedreht, brachte die Masse zum zweiten Male unter dem Cylinder durch, und trieb sie in die vorige Abtheilung der Maschine zuruͤk, die sie verließ. Diese erste Arbeit ist nun das, was die (franzoͤsischen) Baͤker le frasage nennen, und deren Zwek die erste Mischung des Sauerteiges mit dem Wasser und mit dem Mehle ist. Nun wird, Falls man den Teig zu weich finden sollte, das uͤbrige Mehl zugesezt. Nachdem das Mischen gehoͤrig geschehen ist, laͤßt man den Cylinder um Einen Grad herab, und den Teig zwei Mal unter demselben durchlaufen, d.h., abwechselnd aus einem Fache in das andere. Der Cylinder wurde nun auf den lezten Punkt herabgelassen, und von diesem Augenblike an gab man der Masse eine Bewegung hin und her, bis man glaubte, daß sie hinlaͤnglich geknetet war. Um sie bis auf diesen Punkt zu bringen, braucht man fuͤnf vollkommne Umdrehungen.153) Der Arbeiter, der die Kurbel drehte, gab dem Flugrade154) eine Geschwindigkeit von 50 Umdrehungen in Einer Minute; diese Geschwindigkeit war fuͤr den Arbeiter ermuͤdend, und sie ließ nach, so wie die Arbeit sich ihrem Ende nahte.“ 155) „Man muß bemerken, daß waͤhrend des Walgens (Strekens, laminage 156), (ich bediene mich absichtlich dieses Ausdrukes, indem sie dem Geiste ein vollkommenes Bild von der Weise gewaͤhrt, wie hier die innige Mischung des Wassers mit dem Mehle geschieht), man muß bemerken, sage ich, daß waͤhrend des Walgens der Arbeiter, welcher die Mischung zu besorgen hatte, immer beschaͤftigt war, den Teig von den Waͤnden der Maschine abzukrazen, und mittelst einer Kruͤke (coupepâte) denjenigen unter den Cylinder zu bringen, der am Boden der Maschine haͤngen blieb.157) Derselbe Arbeiter nimmt den Teig aus der Maschine, wenn das Kneten fertig ist, so wie er sich in ungeheueren Wuͤrsten gegen den Krazer oder Streicher anlegt. Man legt ihn dann auf das Brett (en fontaine) und laͤßt ihn eine halbe Stunde lang vor dem Einschießen anziehen.“ „Dieß ist nun die ganze Arbeit, die dieser mechanische Kneter (Pétrisseur mécanique) vollbringt. Mit einem Sak Mehl ward sie in unserer Gegenwart in 30 Minuten fertig, mit Inbegriff aller Vorarbeiten vom Abdeken des Sauerteiges angefangen.“ „Der Teig war, als er aus der Maschine kam, vollkommen gleichfoͤrmig, von ziemlich fester Consistenz, sehr dehnbar, und hatte keine Kluͤmpchen (marrons) in seinem Inneren, d.h., es fand sich nirgendwo das Mehl in Mehlkluͤmpchen bei einander, wie dieß bei dem Kneten mit der Hand so oft der Fall ist. Die Baker, die bei dem Versuche gegenwaͤrtig waren, erklaͤrten diesen Teig fuͤr guten Teig.“ Am folgenden Tage erhielt jedes Mitglied einen Leib Brot von zwei Pfunden. „Dieses Brot hatte einen gleichfoͤrmigen sehr loͤcherigen Teig. Die Loͤcher oder Zellen waren im Ganzen genommen kleiner, als an dem gewoͤhnlichen Brote, aber alle beinahe von gleichem Durchmesser, folglich mehr gleichfoͤrmig. Man bemerkte keine Mehlkluͤmpchen in demselben. Es schmekte so gut, wie das beste Baker-Brot. Es war zwar weniger weiß, dieß hing aber von dem Mehle ab.158) Es schien uns weniger schnell hart zu werden, als das gewoͤhnliche Brot. Alle, die es kosteten, fanden es sehr schmakhaft, und konnten es von ihrem gewoͤhnlichen Brote nicht unterscheiden.159) Es hatte die Consistenz eines Brotes aus festem Teige, so wie man es zu Rouen ißt. Bei einem fruͤheren Versuche hat man mit dieser Knetemaschine noch festeres Brot verfertigt, und bei einem dritten Brot fuͤr das Militaͤr. Man kann also mit derselben Brot von jedem verlangten Grade von Festigkeit liefern, und eben so gut auch das leichteste: die Maschine taugt fuͤr jede Art von Baͤkerei.“ „Man hat seit Kurzem eine Menge von Maschinen zum Kneten des Teiges, in der Absicht das Kneten zu erleichtern und reinlicher zu machen, auf die Bahn gebracht. Eine der ersten und bekanntesten ist jene des Hrn. Lagorseix (Petrin mécanique de Lagorseix.) Viele Baͤker bedienen sich derselben bereits taͤglich. Die Commissaͤre glaubten sie sorgfaͤltig pruͤfen und mit jener der HHrn. Cavallier vergleichen zu muͤssen. – An der Knetemaschine des Hrn. Lagorseix kommt die Mischung, die den Teig bilden soll, in einen gewoͤhnlichen Trog, und wird in demselben in allen Richtungen von eisernen und verzinnten Reifen aufgeruͤhrt, welche schief auf einer Achse von demselben Metalle aufgezogeu sind, die mittelst eines weit zusammengesezteren Raͤderwerkes, als jenes an Cavallier's Maschine, in Umtrieb gesezt wird. Die Arbeit geschieht schnell, indem ein Sak Mehl in 15 bis 18 Minuten zu Bakerteig verarbeitet wird, und der Arbeiter, der das Raͤderwerk treibt, weniger bei dem Treiben desselben muͤde wird.160) Der in derselben geknetete Teig ist in jeder Hinsicht gut, so wie das aus demselben bereitete Brot, welches durchaus eben so schmekt, wie jenes aus der Maschine des Hrn. Cavallier; es ist eben so loͤcherig, die Loͤcher sind aber nicht so gleichfoͤrmig. Diesen kleinen Unterschied abgerechnet ist es unmoͤglich irgend einen anderen aufzufinden, und Nichts spricht fuͤr die eine Maschine mehr, als fuͤr die andere.“ „Wenn aber auch die Products gleich sind, so sind es nicht die Vorzuͤge in Hinsicht auf Bau, Festigkeit und Leichtigkeit der Reinigung. Lagorseix's Maschine ist weit mehr zusammengesezt, und geraͤth folglich weit leichter in Unordnung. Man braucht bei beiden Maschinen zwei Arbeiter, den einen zum Treiben des Raͤderwerkes, den anderen zum Mischen und zur Aufsicht bei dem Kneten selbst. Aber selbst wenn mit großen Maschinen gearbeitet wird, kann der Arbeiter an der Kurbel noch, wie oben bemerkt wurde, den Teig besorgen. Cavallier's Maschine ist hingegen so einfach, von so geringem Umfange, so leicht von einem Orte auf den anderen zu bringen, daß sie in dieser Hinsicht vor jener Lagorseix's voraus ist. Man sollte beim ersten Anblike glauben, daß leztere sich ihrer Wirkung nach mehr dem Kneten mit der Hand naͤhert, weil der Teig nach allen Richtungen in die Hoͤhe gearbeitet wird, und folglich einer groͤßeren Menge Luft ausgesezt ist, die einen mehr aufgegangenen, weißeren Teig, also ein leichteres und schmakhafteres Brot geben sollte: die Resultate der Erfahrung bestaͤtigen aber diese theoretische Ansicht nicht; denn der Teig und das Brot faͤllt in beiden gleich aus. Der einzige wirkliche Vortheil bei Lagorseix's Maschine ist also bloß dieser, daß sie schneller arbeitet, ein Vortheil, der an und fuͤr sich nicht sehr wichtig ist, und durch die Nachtheile einer geringeren Festigkeit, einer minderen Tragbarkeit aufgewogen wird. In dieser Hinsicht zieht die Commission Cavallier's Maschine vor, und glaubt, daß die Baͤker bei dieser sich besser stehen wuͤrden, als bei jener des Hrn. Lagorseix.“ „Indessen ist sie der Meinung, daß auch Cavallier's Maschine noch mancher Verbesserung faͤhig ist. So ließe sich sehr leicht ein ganz einfacher Mechanismus am Raͤderwerke anbringen, mittelst dessen dasselbe gar keines Menschenarmes beduͤrfen wuͤrde. Ja es koͤnnte das ganze Raͤderwerk wegbleiben, und die Kurbel unmittelbar an dem Cylinder angebracht werden, wie dieß bei einer Menge aͤhnlicher Maschinen der Fall ist, und es waͤre um so mehr noͤthig irgend eine andere Triebkraft Statt des Menschenarmes zu gebrauchen, als diese Maschinen, so wie sie jezt sind, einen großen Kraftaufwand fordern, um einige Zeit uͤber gedreht zu werden, vorzuͤglich gegen das Ende der Arbeit, wo der Teig eine ziemlich große Zaͤhigkeit erhaͤlt. Ein Pferd koͤnnte auf ein Mal vier bis fuͤnf große Knetemaschinen treiben, welche dann von einem einzigen Arbeiter besorgt werden koͤnnen.161) Eine zweite Verbesserung, durch welche noch viel an Menschenhaͤnden erspart wuͤrde, waͤre das Anbringen von Krazern oder Streichern laͤngs den Waͤnden des Troges, welche zugleich durch denselben Mechanismus in Thaͤtigkeit gesezt werden koͤnnten, der den Cylinder dreht. Diese Krazer wuͤrden den Teig ununterbrochen und regelmaͤßig unter den Cylinder bringen, und besser arbeiten, als der Mann mit seiner Kruͤke. Der Mann koͤnnte sich unterdessen mit irgend etwas anderem beschaͤftigen, z.B. den Ofen Herrichten, so daß dann ein einzelner Arbeiter den Teig und den Ofen zugleich besorgen koͤnnte: allein, durch diese Vorrichtungen wuͤrde das Verdienst der hoͤchsten Einfachheit geopfert, welche diese Maschine so sehr empfiehlt. Die Platten aus Eisenblech, mit welchen der Boden des Troges gefuͤttert ist, koͤnnten fuͤglich wegbleiben, indem sie nicht bloß ganz uͤberfluͤssig sind, sondern auch durch die Nothwendigkeit, sie rein zu halten, mehr Muͤhe machen. Wir wissen, daß Hr. Chevallier diese Idee ausfuͤhren wird.162) Noch eine leztere Verbesserung waͤre diese, die man uͤbrigens als bloßes Opfer fuͤr die Theorie betrachten koͤnnte. Man bemerkt waͤhrend des Knetens, daß der Teig, der unter dem Cylinder durch muß, wo er einen sehr starken Druk erleidet, sich in sehr duͤnne Blaͤtter rollt, welche sich gegen den Krazer anlegen und auf einander legen, wie Blaͤtter in einem Buche, das man mit der Hand zusammenrollen wurde. Wenn der Teig dann in Folge der entgegengesezten Drehung neuerdings unter der Walze zuruͤklaͤuft, um in das andere Fach des Troges zuruͤkzukommen, so folgen diese Blaͤtter einander in derselben Ordnung, in welcher sie bei dem ersten Durchgange sich bildeten, so daß sie sich so zu sagen gar nicht unter einander verbinden, was nachtheilig ist. Man koͤnnte sie, um der Masse mehr Gleichartigkeit zu geben, und die Lage dieser Blaͤtter zu wechseln, mittelst einer Kruͤke brechen, und sie auf das Innigste unter einander mengen, so wie sie in die Faͤcher eintreten. Es laͤßt sich einsehen, wie senkrechte Staͤngelchen aus Holz oder Eisen in verschiedenen Hoͤhen uͤber dem Krazer diesen Dienst sehr gut versehen, und dadurch einen Mann ersparen koͤnnten. Dadurch wuͤrde aber die Maschine wieder mehr eomplicirt, und da der Teig, so wie er war, ohne alle diese Staͤngelchen, selbst nach dem Ausspruche der Baͤker, gut war, so sind sie uͤberfluͤssig. Die Commission glaubt daher diesen einfachen Kneter allen Baͤkern nicht dringend genug empfehlen zu koͤnnen, indem man denselben in jeder Groͤße verfertigen, und eben so gut 10 als 1500 Pfd. Teig damit durchkneten kann. Man wird diese Maschine selbst auf Schiffen und in Lagern mitfuͤhren koͤnnen.“ „Man wirft den Knetemaschinen zwei Fehler vor, die beim ersten Anblike wichtig zu seyn scheinen, bei strengerer Pruͤfung aber bald verschwinden. Man behauptet, daß Brot, welches mit diesen Maschinen verfertigt wurde, mehr Wasser haͤlt, als das gewoͤhnliche Baͤker-Brot, folglich, bei gleichem Gewichte, weniger nahrhaft ist; ferner, daß es nicht die Leichtigkeit des Baker-Brotes besizen kann, indem waͤhrend des Knetens nicht so viel Luft mit demselben sich verkoͤrpert,163) und auch nicht so gleichfoͤrmig in dasselbe gelangt. Wir Wollen nun diese Einwuͤrfe pruͤfen.“ „Reines Starkmehl mit Kleber verbunden, wie dieß bei dem Weizenmehle der Fall ist, kann nicht einen fuͤr unsere Organisation geeigneten Nahrungsstoff darbieten.164) Es handelt sich vorzuͤglich darum, mit Bestimmtheit zu wissen, wie viel man Wasser zum Brote nehmen muß, um demselben die moͤglich groͤßte Nahrhaftigkeit zu geben. Ungluͤklicher Weise ward diese Frage noch nie mit der gehoͤrigen Sorgfalt gepruͤft. Nach Parmentier verschlingt das Mehl gewoͤhnlich zwei Drittel seines Gewichtes Wasser, um mit demselben einen guten Teig zu bilden. Wenn wir dieses Verhaͤltniß, wie zwei zu drei, als Verhaͤltniß fuͤr das beste Brot annehmen, was sehr wahrscheinlich zu seyn scheint; so fragt es sich, ob dasselbe auch in der Praxis wirklich befolgt wird. Die Baker nehmen gewoͤhnlich fuͤnfzig bis zwei und fuͤnfzig per Cent Wasser, woraus erhellt, daß das Brot in diesem Falle noch nicht alles das Wasser aufgenommen hat, welches dasselbe ohne allen Nachtheil aufnehmen koͤnnte. Wenn man nun, durch vollkommneres Kneten, machen kann, daß das Mehl zwei Drittel seines Gewichtes an Wasser aufnimmt, was mittelst der Knetemaschine geschehen muß, indem durch den bestaͤndigen Druk, den der Teig von allen Seiten erleidet, das Wasser und das Mehl innig mit einander gemischt wird, so ist es offenbar, daß der daraus hervorgehende Teig bei gleichem Gewichte ein leichter zu verdauendes und nahrhafteres Brot gewaͤhren muß, als das gewoͤhnliche, bei welchem die Bestandtheile desselben nur grob gemengt sind.165) Das mit der Maschine geknetete Brot kann also mehr Wasser enthalten, als das Baͤker-Brot, ohne deßwegen weniger gut und vortheilhaft zu seyn. (?) Wenn der Geschmak der Consumenten ein weniger waͤssigeres Brot vorzieht, so wird man auch leicht in der Maschine nur 50 bis 52 p. Cent Wasser dem Mehle zusezen koͤnnen, indem man mit der Maschine so weich und so fest kneten kann, als man will.“ „Hr. Dubuc, eines der Mitglieder der Commission, hat sich durch mehrere sehr genaue Versuche uͤberzeugt, daß Baͤker-Brot oder Hausbrot, auf die gewoͤhnliche Weise zubereitet, zwischen 7 1/2 und 8 Loth Wasser auf das Pfund enthaͤlt. Die einfache Verfahrungsweise, mittelst welcher er zu diesem Resultate gelangte, und deren jeder bei aͤhnlichen Versuchen sich bedienen kann, ist folgende. Man nimmt ein halbes Pfund (16 Loth) von dem Brote, welches man versuchen will (zwoͤlf Stunden, nachdem es aus dem Bakofen kam), schneidet es in duͤnne Schnitten, und sezt es einer Hize von 60° Réaumuͤr aus: eine staͤrkere Hize wuͤrde das Brot roͤsten, und koͤnnte das Resultat unsicher machen. Wenn das Brot auf diese Weise vollkommen troken geworden ist, was man leicht daran erkennt, daß es sich zwischen den Fingern zu einem feinen Staube zerreiben laͤßt, waͤgt man dasselbe, und erhaͤlt auf diese Weise durch Vergleichung des Gewichtes des Brotes vor und nach dem Doͤrren die Menge Wassers, welche dem Brote bloß auf mechanische Weise beigemengt war. Man kann diesen Versuch auf jeder Ofenplatte und auf jedem Herde anstellen. Man kann nun auf diese Weise leicht einen vergleichenden Versuch zwischen Hausbrot und zwischen Brot, das mit der Maschine geknetet wurde, anstellen.“ (Unsere Leser werden mit uns bedauern, daß die Commission diesen Versuch nicht selbst anstellte: er waͤre von der hoͤchsten Wichtigkeit gewesen.) „Was den zweiten Einwurf betrifft, so fragt es sich, ob es durchaus nothwendig ist, daß Luft durch das Kneten in den Teig kommen muß, welcher zu Brot verwendet werden soll? Dieser Punkt wird noch sehr bestritten, und viele ausgezeichnete Chemiker sind weit entfernt, diese Bedingung als unerlaͤßlich zu einem guten Brote zu betrachten. Der Baͤker braucht nur sogenannte Augen (Loͤcher, Zellen) in seinem Brote, und dazu reicht der Sauerteig, mit Mehl gemengt, allein hin, sobald gehoͤrige Waͤrme und ein gewisser Grad von Feuchtigkeit auf den Teig einwirkt. (?) Die Waͤhrung, welche hierdurch in der Masse entsteht, erzeugt eine große Menge kohlensauren Gases und alkoholischer Daͤmpfe, welche, in der Masse des Teiges, in Folge der von dem Kleber abhaͤngenden Zaͤhigkeit desselben, zuruͤkgehalten, die zahllose Menge von Zellen bilden, die man in dem Brote wahrnimmt. Die Luft, welche durch das Kneten auf eine mechanische Weise in das Brot gebracht wird, kann also nur die oben angegebene Wirkung noch vermehren. So viel ist gewiß, daß das mittelst der Maschine geknetete Brot in Hinsicht auf Leichtigkeit von dem mit der Hand, oder mit Lagorseix's Maschine, gekneteten Brote in nichts verschieden ist. Und weiß man nicht, daß die Pasteten-Vaͤter ihren Teig bloß mittelst eines Walgers kneten; daß ihre Arbeit also jener der Maschine des Hrn. Cavallier durchaus aͤhnlich, und ihr blaͤtteriges Bakwerk doch sicher leichter ist als Baker-Brot?166) Ueberdieß ist es nicht wahr, daß die Knetemaschine den Teig, welcher bestaͤndig unter der Walze durchlaͤuft, weniger mit der Luft in Beruͤhrung bringt. Wenn man den Gang der Arbeit bei dem Kneten in der Maschine genau und aufmerksam beobachtet, so wird man bald sehen, daß jede Platte Teiges von einer Luftschichte umhuͤllt ist; denn man hoͤrt von Zeit zu Zeit, so wie die Platten durch ihr Uebereinanderliegen zusammengedruͤkt werden, die Luft zwischen denselben mit einer gewissen Kraft pfeifen, indem sie nur mit Muͤhe aus denselben entweichen kann. Die Vorwuͤrfe, die man den Knetemaschinen in dieser und in der ersteren Hinsicht gemacht hat, sind also nicht gegruͤndet und werden durch die Erfahrung widerlegt.“ 167) „Wenn neue Erfindungen bei uns ohne Widerstand von denjenigen angenommen wuͤrden, welche am meisten dabei interessirt sind; so wuͤrden wir nicht langer bei den Vortheilen der Knetemaschine verweilen. Ungluͤklicher Weise vermag aber Vorurtheil und Schlendrian uͤber die meisten Menschen mehr, als der gesunde Menschenverstand, und es ist Pflicht der gelehrten (Corporationen, diese gefaͤhrlichen Feinde jedes Besseren und jeder Vervollkommnung auf das Aeußerste zu bekaͤmpfen, und alle Mittel anzuwenden, um den blinden Glauben dieser guten Leute, die nicht Muth genug besizen ihr Gewohnheitsjoch freiwillig abzuschuͤtteln, etwas aufzuklaͤren.168) Daher findet die Commission es noͤthig, am Ende dieses Berichtes noch alle Nachtheile des gewoͤhnlichen Knetens aufzuzaͤhlen.“ Die Commission ergießt sich zuerst in einer langen Predigt uͤber die Unreinlichkeit des gewoͤhnlichen Knetens, die wir schon so oft hoͤren mußten. Sie bemerkt, daß, wenn auch Haͤnde und Fuͤße des knetenden Bakers rein sind, „er doch waͤhrend der Arbeit schwizen kann, und daß schon die bloße Idee, daß Schweiß in den Teig fallen kann, Ekel erregen muß.“ Wir erlauben uns die Bemerkung, daß der Ixion am Rade, der Arbeiter der die Walze an der Knetemaschine drehen muß, die nach dem eigenen Gestaͤndnisse der Commission sehr schwer zu drehen ist, bei seiner Arbeit auch nicht abgekuͤhlt wird; daß er schwizen wird, und daß folglich Schweißtropfen von seiner Stirne so gut in den Trog fallen koͤnnen, als von der Stirne des knetenden Bakers auf den Knetetisch. Die Commission sagt: „der Baker kann Kraͤze, Hautkrankheiten aller Art an seinen Haͤnden haben.“ Kraͤze und Hautkrankheiten an den Haͤnden ist bei Baͤkern ein seltenes Uebel, indem jeder Baͤker sich sehr oft waschen muß, und Leute, die ihre Haͤnde sehr oft des Tages waschen, selten die Kraͤze bekommen. Wir erlauben uns ferner die strengen Puritaner noch zu fragen: ob sie bei dem Formen des Teiges zum Leibe auch Maschinen haben, oder ob nicht hier am Ende der Teig dennoch mit der Hand beruͤhrt, mit der Hand geformt werden muß; mit der abscheulichen Hand, die fuͤnf Finger hat, wie die Hand eines Affen, und wie die Vorderfuͤße eines Krokodiles und die Hinterfuͤße eines Laubfrosches sie haben? Die Commission bemerkt, daß bei den Knetemaschinen weniger Mehlstaub in die Luft steigt; daß also die armen Baͤker bei dem Gebrauche derselben dem Husten, der Engbruͤstigkeit, der Lungensucht weniger bloßgestellt sind, als bei dem gewoͤhnlichen Kneten; daß diese Krankheiten eine Menge Baͤker vor der Zeit dahin raffen, und nur die staͤrksten Menschen die strenge Arbeit des Knetens eine kurze Zeit uͤber auszuhalten vermoͤgen; daß das Anstrengen der Brustmuskel und der Lungen bei dem Kneten mit den Armen eine Hauptursache der vielen Lungensuchten unter den Baͤkern ist; daß sogar Aneurysmen des Herzens dadurch entstehen. Allerdings ist es sehr wahr, daß durch das Kutten mit den Armen viele Brustkrankheiten entstehen, und daß, in dieser Hinsicht allein schon, die Knetemaschine alle Ruͤksicht verdiente, selbst wenn sie theuerer zu stehen kaͤme, als dieß nicht der Fall ist; daß sie eine wahre Wohlthat waͤre, wenn sie den Menschenarm ersezen koͤnnte. Indessen ist das Kneten und der Mehlstaub, den jeder Meister, in dessen Bakstube viel gearbeitet wird, fern zu halten sucht und fern zu halten weiß, nicht die einzige Ursache der vielen Brustkrankheiten der Baͤker, und vorzuͤglich der bei denselben so haͤufigen Lungensucht. Es kommt ein guter Theil der Todesopfer dieser Classe arbeitender Buͤrger auch auf Rechnung der Hize des Bakofens, und der schnell wechselnden Temperatur von dieser Hize bis zu jener unter dem Frierpunkte im Winter; auf Rechnung ihrer ehemaligen schlechten Bekleidung, die den Koͤrper, bei diesem Wechsel der Temperatur, fast halbnakt ließ; auf Rechnung der schweren Lasten an Mehl und Brot, die diese Leute tragen muͤssen; auf Rechnung der schlechten Luft um das neugebakene Brot; diese nachteiligen Einfluͤsse auf die Gesundheit der armen Baͤker lassen sich durch die Knetemaschine allein nicht beseitigen, welche von Menschenhand getrieben, uͤbrigens auch nichts weniger als ein sogenannter Brustthee ist. „Noch eine lezte Betrachtung, welche die Aufmerksamkeit der Bakermeister vorzuͤglich in Anspruch nehmen muß, und welche auch mehr auf sie wirken wird, als Alles, was wir uͤber die nachtheiligen Einfluͤsse des Knetens auf die Gesundheit angefuͤhrt haben, ist die Ruͤksicht auf die Ersparung, welche bei Knetemaschinen Statt hat. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dort, wo mit der Hand geknetet wird, bei jedem Sake zwei Pfund Mehl verloren gehen: ein Verlust, welchen der Baker, der in einer trokenen und warmen Luft sein Mehl mischen muß, der immer mehr oder weniger dasselbe in Bewegung erhalten muß, nicht in seiner Gewalt hat. Mehl liegt in der Bakerstube auf allen nahen oder fernen Gegenstaͤnden mehr oder minder. Hierzu kommt noch der Verlust an Teig, sey es nun aus Mangel an Aufmerksamkeit, oder aus was immer fuͤr einer anderen Ursache, so daß man immer 2 Kilogramm (4 Pfd.) Verlust auf den Sak Mehl rechnen kann; ein ungeheuerer Verlust,169) welcher sich stets wieder erneuert, und den der Baker einzig und allein zu tragen hat. Man darf nicht sagen, daß diese Angaben nicht genau, oder von unserer Seite uͤbertrieben waren; wir haben sie aus dem Munde eines Baͤkers, der schon vor einiger Zeit das gewoͤhnliche Kneten aufgab, und sich der Knetemaschine des Hrn. Lasgorseix bedient.“ 170) „Diese Betrachtungen sind von der hoͤchsten Wichtigkeit, und die Commission glaubte dieselben ausfuͤhrlich erlaͤutern zu muͤssen. Sie erwartet, indem sie dem Publicum dieselben mittheilt, die gluͤklichsten Resultate, naͤmlich den Sieg uͤber den Widerwillen, welchen die gesammte Masse der Baker gegen diese Knetemaschine aͤußert. Das Publicum wird die Baͤker zwingen das Brot auf eine Weise zu bereuen, nach welcher es wohlfeiler, besser, reinlicher und schneller bereitet werden kann. 171) Die Commission bedauert, nicht alle noͤthigen Elemente zu Gebote gehabt zu haben, nm eine der wichtigsten Fragen fuͤr die Baker gehoͤrig loͤsen zu koͤnnen, naͤmlich, wie viel diese Maschinen beim ersten Ankaufe kosten. Die Commission liefert die Preise nach dem Prospectus, welche die HHrn. Lasgorseix und Cavallier fuͤr ihre Knetemaschinen Herausgaben. Die Knetemaschinen des Hrn. Lasgorseix (Petrins mécaniques à la Lasgorseix) kosten
Franken. fuͤr 900 bis 1000 Pfd. Teig sammt Sauerteig, bei 13 1/2 Fuß Laͤnge 2000 800  –   900  – 12 1/2   –     – 1750 700  –   800  – 11 1/2   –     – 1500 600  –   700  – 10 1/2   –     – 1350 500  –   600  –   9 1/2   –     – 1200 400  –   450  –   8 1/2   –     – 1000 300  –   350  –   7 1/2   –     –   800 200  –   250  –   6         –     –   600   50  –   120  –     4 1/2   –     –   500
Die Knetemaschinen der HHrn. Cavallier, Frère et Comp. kosten fuͤr
1000 Pfd. Teig    1800 Franken   800  –   –    1500    –   600  –   –    1200    –   150  –   –      500    –172)
„Eine Knetemaschine des Hrn. Cavallier von 2 1/2 Fuß Breite, 1 1/2 Fuß Tieft, und 6 Fuß Laͤnge reicht fuͤr 600 Pfo. Teig hin; nimmt also weit weniger Raum ein, als die Maschine des Hrn. Lasgorseix.“ „Man haͤtte die Knetmaschine schon vor vielen Jahren einfuͤhren koͤnnen, indem Hr. Lambert, Baker zu Paris, der Société d'Encouragement daselbst schon im J. 1810 eine Maschine zum Kneten vorlegte, welche den von der Gesellschaft ausgeschriebenen Preis erhielt. Versuche, die man mit dieser Maschine zu Paris, Reuen, Lyon und zu Amiens anstellte, bewiesen die Vortheile, welche die Baͤkerkunst durch diese eben so einfache als sinnreiche Maschine erhalten koͤnnte: allein, die Klagen und selbst die Drohungen der Vaͤterjungen noͤthigten die Baͤker, diese Maschine wieder aufzugeben.173) Wir hoffen, daß diese guten Leute sich heute zu Tage nicht mehr der Einfuͤhrung der Knetemaschinen widersezen werden, und daß Aufmerksamkeit auf ihre Gesundheit ihnen die Augen uͤber ihre Vorurtheile oͤffnen wird.“ Die Annales de l'Industrie, Nov. 1829., p. 477, und aus diesen der Bulletin des Sciences technol., Mars, S. 273. fuͤhren noch eine Knetemaschine (Pétrin mécanique) auf, die wir hier in extenso beschreiben wollen, denn wir sehen nicht ein, worin sie von jener des Hrn. Cavallier verschieden ist, und wie, da Cavallier ein Patent auf seine Maschine nahm, diese neueste Knetemaschine ohne Eingriff in Patent – Rechte geduldet werden kann. Knetemaschine der Bruͤder Gui. (Pétrin mécanique des fréres Gui.) „Die Knetemaschine der Bruͤder Gui besteht aus einem festen gezimmerten Troge, der halb walzenfoͤrmig ist, und so viel Mehl faßt, als man Brot baken will. Eine liegende eiserne Walze von ungefaͤhr 8 Zoll im Durchmesser laͤuft mit ihren Zapfen in zwei Lagern an den Seitenenden des Troges, welche parallel mit derselben laufen. Diese Walze ist cylindrisch und in geringer Entfernung von dem Boden des Troges befestigt.174) Die Lager ruhen an den beiden Enden des Troges auf Schraubennieten (Schraubenmuͤttern) und Schraubenspindeln, welche auf die Achse der Walze senkrecht stehen, so daß man diese nach Belieben dem Boden des Troges naͤhern kann, wenn man leichteres Brot bereiten und die Theile inniger mit einander mengen will. Ein Brett oder eine senkrechte Scheidewand ist uͤber der Walze befestigt, und laͤuft der ganzen Laͤnge nach uͤber dieselbe hin, indem es unmittelbar dieselbe an ihrer Oberflaͤche beruͤhrt. Auf diese Weise theilt demnach die Walze und die Scheidewand den Hohlraum des Troges in zwei der Laͤnge nach hinlaufende Kammern oder Faͤcher, zwischen welchen keine andere Verbindung, als diejenige. Statt hat, welche der kleine Raum unter der Walze offen laͤßt. Die Erfinder haben bemerkt, daß der Teig unter den Oberflaͤchen, welche ihn druͤken, durchschluͤpft „(fuͤrwahr eine wichtige Bewertung, diese neu ist, als der Nudelwalger alt ist!)“ und daß folglich, wenn man die Walze dreht, der Teig gegen den Boden des Troges gedruͤkt, und nach der zur Seite stehenden Kammer hinuͤber gezogen wird. Die senkrechte Scheidewand hindert, daß der Teig nicht uͤber der Walze in diese Kammer gelangt. Man laͤßt nun die Walze von einem Manne mittelst einer Kurbel und eines Raͤderwerkes treiben, welches die Triebkraft verstaͤrkt, waͤhrend die Umdrehung der Walze dadurch zugleich langsamer gemacht wird. Das Mehl wird in eines der beiden Faͤcher gebracht, und in demselben nur ganz obenhin mit der erforderlichen Menge Sauerteiges und Wassers gemengt. Dieses Mischen geschieht mittelst einer Klaue mit einem hoͤlzernen Stiele: denn man ruͤhrt die Masse nicht mit den Haͤnden „(!)“ unter einander. Waͤhrend nun die Walze umgetrieben wird, hindert man mittelst des Krazers oder Streicheisens das Ankleben des Teiges an den Waͤnden der Maschine. Der Teig wird, durch sein Ankleben an der Walze, nach und nach gaͤnzlich in das andere Fach uͤbertragen; man schafft ihn aus demselben in das vorige Fach zuruͤk, indem man die Walze in entgegengesezter Richtung dreht, und faͤhrt so fort, bis Alles gehoͤrig gemengt ist. 25 Minuten reichen hin, um 600 Pfd. Teig zu kneten.175) Hierauf theilt man die Masse in Leibe, und wiegt sie.“ „Wenn man weniger Mehl zu verarbeiten hat, als der Trog fassen koͤnnte, so verkleinert man den Hohlraum desselben dadurch, daß man eine Querscheidewand aus zwei senkrechten Brettern anbringt. Diese Bretter sind nach dem Durchschnitte des Troges zugeschnitten und nach dem Durchschnitte des Cylinders, so daß sie genau an die Waͤnde anschließen, und dem Teige den Durchgang versperren.176) Diese Bretter werden hier, ich weiß nicht aus welchem Grunde, Quellen, fontaines, genannt.177) Eine Knetemaschine von dieser Art gibt, wenn sie 2 1/2 Fuß breit, 1 1/9 Fuß tief, 6 Fuß lang ist, 600 Pfd. Teig, oder verarbeitet anderthalb Sak (un sac et demi) Mehl von 325 Pfd.“ 178) „Dieser Apparat ist sehr gut ausgedacht, ist aber noch einer Verbesserung faͤhig. Man muß suchen die Klaue, den Krazer oder Streicher, und das abwechselnde Drehen der Walze in entgegengesezter Richtung zu vermeiden; uͤbrigens ist die Anwendung desselben so leicht, daß man erwarten darf von ihr alle Vorurtheile gegen Knetemaschinen und den alten Schlendrian besiegt zu sehen. Gewiß wird man in Baͤlde das Kneten mit der Hand gaͤnzlich aufgeben und Knetemaschinen in allen Baͤkereien finden. Das Publicum, das Ekel an dem gewoͤhnlichen Kneten gefaßt hat,179) wird kein Brot mehr essen, das auf die alte gewoͤhnliche Weise gebaken wurde. Die Maschine des Hrn. Gui ist zu einfach und zu bequem, als daß sie nicht allen uͤbrigen vorgezogen werden sollte. 180)
Erklaͤrung der Abbildung der Knetemaschine der HHrn. Cavallier, Frère et Comp., rue Caumartin, N. 7 zu Paris, in den Annales de l'Industrie. N. IV. AA, Fig. 1 bis 4. Trog aus Eichenholz, der Form nach einem gewoͤhnlichen Baktroge ziemlich aͤhnlich, am Boden rundlich ausgehoͤhlt, und mit Blech ausgekleidet. B, hohler Cylinder aus Gußeisen. Seine zwei Achsen, bb, aus geschlagenem Eisen liegen in Lagern, C, und folgen den Bewegungen, welche man veranlaͤßt, um den Cylinder zu heben oder zu senken. CC, Lager. Sie verlaͤngern sich nach aufwaͤrts, so daß sie die senkrechte Vertiefung schließen, welche an jedem Ende des Troges zur Aufnahme derselben angebracht ist. Diese Stuͤke sind innen mit zwei Baken versehen, welche den Krazer oder Streicher seitwaͤrts befestigen. D, Streicher oder Krazer, bestehend aus einem starken Brette aus Eichenholz, welches sich an seinem unteren Theile in einen spizigen Winkel verduͤnnt, und daselbst mit Eisen beschlagen ist. EE, maͤnnliche Schraube, deren Stuͤtzpunkt in C ist, und mittelst welcher der Abstand des Streichers vom Cylinder genau regulirt werden kann. F, Niet der Schrauben EE. G, Knopf. Er dient als Gegenniet, und umfaßt das Stuͤk Eisen H. H, flaches Stuͤk Eisen, welches an dem oberen Theile des Krazers befestigt ist. H, Hebel, mittelst welcher man die Entfernung des Troges von dem unteren Rande des Umfanges der Walze bestimmt, um dadurch der Teigplatte, welche darunter oder zwischen beiden durchlaͤuft, die beliebige Dike zu geben. J, Auge des Hebels, in welches der Vorsprung, K, eingreift. L, Ende des Hebels. M, Stift mit einem Kopfe, mittelst dessen man das Ende des Hebels auf der gehoͤrigen Hoͤhe befestigt. N, Zahnrad, am Ende der Achse des Cylinders befestigt. O, Triebstok, welcher dem Rade und dem Cylinder die Bewegung mittheilt. P, runde Stange, auf einem Stuͤke Gußeisen, welche dem Flugrade als Achse dient. Q, Flugrad, an welchem auf einer Seite der Triebstok, an der anderen die Kurbel angebracht ist. K, die Kurbel. S, Dekel, welcher den Trog bedekt.

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